»Denn ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben.« Jeremia 29,11

Willkommen, Pfarrer Patrick!

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Willkommen, Pfarrer Patrick!

Liturgieprofessur statt LKW-Akrobatik

Pfarrer Patrick ist sichtlich gerührt. "Die Leute haben nach meiner kleinen Predigt applaudiert. Das hätte ich nicht erwartet", freut sich der Geistliche aus Nigeria. Sowohl auf dem Annaberg als auch in der Kirche St. Lambertus in Lippramsdorf habe ihm die Gemeinde zu seinem "Einstand" am Wochenende nach Himmelfahrt, welcher von Pfarrer Michael Ostholthoff begleitet wurde, einen äußerst herzlichen Empfang bereitet. "Ich bin sehr froh, hier zu sein und freue mich auf die nächsten Begegnungen", so Pfarrer Patrick. Und er hoffe, ergänzt er schmunzelnd, dass in den nächsten Tagen auch mal das Wetter besser würde, damit er unsere schöne Seestadt noch ein wenig mehr erkunden könne.

Am 14. Mai ist Prof. Dr. Patrick Chibuko in Haltern angekommen - direkt aus seiner nigerianischen Heimat. Hier war er in Enugu, einer Großstadt im Südosten des Staates, als Dekan an der theologischen Fakultät des Catholic Institute of West Africa, Port Harcourt, einer katholischen Hochschule, tätig. 1991 hatte er hier den Fachbereich der Liturgiewissenschaft begründet, in welchem er seit 2012 als Professor lehrte und dem er in den letzten vier Jahren außerdem als Head of Department vorstand.

1956 in dem kleinen nigerianischen Dorf Okpueze Umumba geboren, wollte Patrick - der Älteste von neun Geschwistern ("ausschließlich Jungs!") - eigentlich "Assistent eines LKW-Fahrers" werden, wie er lachend erzählt. "Das waren bei uns teilweise richtige Akrobaten, sie mussten beim Anfahren des LKW eine hölzerne Arretierung lösen und dann auf den fahrenden Wagen aufspringen. Ich fand das als kleiner Junge einfach toll!" Dann kam der Bürgerkrieg nach Nigeria. Patrick, damals in der vierten Klasse, erlebte, wie die Pfarrer der Weltcaritas oft unter Lebensgefahr Medikamente und Nahrungsmittel im Krisengebiet verteilten. "Das hat mich geprägt. Ich habe gesehen, wie Menschen in ihrer Not Hilfe bekamen und wieder gesund wurden. Und das wollte ich auch: den Menschen Essen, Medizin und Gebete bringen."

"Fränkischer Dialekt war echte Herausforderung"

Und so studierte Patrick Theologie und Philosophie an der Hochschule in Enugu, arbeitete anschließend als Kaplan im Dom Holy Ghost Cathedral, Enugu und ein Jahr später in St. Michael's in Awgu, einem heutigen nigerianischen Bistum. 1983 wurde er in seinem Heimatdorf Okpueze Umumba vom Bischof zum Priester geweiht. "Und der hat mich dann drei Jahre später zum weiteren Theologiestudium nach Rom geschickt", berichtet der Seelsorger. Für die Promotion war das Beherrschen der deutschen Sprache Voraussetzung - und Patrick konnte schon bald hervorragende Kenntnisse vorweisen: "Ich habe direkt 1987 einen sehr intensiven Sprachkurs in Bamberg absolviert und anschließend drei Monate in den umliegenden Pfarreien gearbeitet. Der fränkische Dialekt war zwar manchmal eine echte Herausforderung, aber letztendlich hat es gut geklappt - und", bestätigt der Pfarrer augenzwinkernd, "ich habe mein Hochdeutsch nicht verlernt."

Auch im Rahmen seiner Promotion, die er 1990 abschloss, war Patrick regelmäßig in den Sommermonaten in verschiedenen Pfarreien in Deutschland tätig; nach der Gründung des liturgiewissenschaftlichen Lehrstuhls in seiner Heimat folgte dann ab 1997 ein längerer Aufenthalt. "In dieser Zeit war ich unter anderem in Limburg, Biedenkopf, Braunfels, Zeilsheim-Frankfurt - und schließlich über zehn aufeinanderfolgende Jahre im ebenfalls hessischen Katzenelnbogen." Der 65-Jährige lacht: "Den Ortsnamen fand ich von Anfang an großartig!" Auch in den USA sammelte Patrick pastorale Erfahrungen - in den 90er Jahren in New York, 2018 an der De Paul Universität von Chicago.

Kirche im Heimatdorf als Herzensprojekt

Vor zwei Jahren, Patrick war gerade im ostwestfälischen Harsewinkel als Seelsorger im Einsatz, kam durch das Bischöfliche Generalvikariat Münster der Kontakt nach Haltern zustande - und schließlich, inklusive pandemiebedingter Verzögerungen, das Arbeitsverhältnis mit der Pfarrei St. Sixtus. "Und ich freue mich darauf, hier erst einmal länger verweilen zu können", sagt Patrick. Gleichzeitig möchte er in den kommenden Monaten einige Projekte vorantreiben, die ihm ganz besonders am Herzen liegen: die Fertigstellung der Kirche in seinem nigerianischen Heimatdorf, die Förderung der Ausbildung von Kindern und Jugendlichen in Nigeria - "bei uns ist nur die Grundschule kostenlos, und viele Familien können es sich nicht leisten, ihre Kinder auf weiterführende Schulen zu schicken" - sowie die Publikation zweier Bücher.

Und er hoffe, so Pfarrer Patrick grinsend, dass ihm die Halterner beizeiten bei einem rätselhaften Sachverhalt auf die Sprünge helfen könnten: "Warum heißt es 'Ich gehe zur Kirche', 'Ich gehe zur Post' - aber 'Ich gehe auf Schalke'?"