»Denn ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben.« Jeremia 29,11

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Pfarrei St. Sixtus

Und wie gestalten Sie diese Wochen?

Und wie gestalten Sie diese Wochen?

Ehrlich gesagt, ich konnte lange Zeit nichts mit der Fastenzeit, oder wie es heute heißt: der österlichen Bußzeit, anfangen.

Mitgenommen aus meiner Kindheit hatte ich den mahnenden Zeigefinger einer Tante und den Hinweis, dass man in der Fastenzeit nichts Süßes essen dürfe. Aber so sehr ich es auch probierte - es gelang mir nie so recht, den Verzicht auf das Stück Schokolade irgendwie mit der Vorbereitung auf Ostern zusammenzubringen.

Und den Versuch, das eine oder andere überflüssige Kilo Körpergewicht in diesen Wochen loszuwerden, fand ich persönlich zwar erstrebenswert - dies aber nun auch noch religiös zu verbrämen, schien mir eher "billig". Zumal dieser Versuch in der Regel wohl eher etwas mit dem Badeanzug im Sommer als mit dem Osterfest zu tun haben mag....

Interessanter schien mir da schon die Initiative, die ursprünglich von den evangelischen Kirchen ausging: "40 Tage ohne" - ohne Zigaretten, ohne Alkohol, ohne Fernsehen....

Aber auch das empfand ich oft eher als Last, als Not, als "etwas hinkriegen müssen": "Fasten" als Verzicht - je mühsamer, umso besser. Und das soll dann die Vorbereitung auf das Osterfest, das Fest der Befreiung sein? Wir bereiten uns auf den Sieg des Lebens über den Tod vor, indem wir uns selbst irgendwelchen Verzicht auferlegen, uns manchmal vielleicht sogar regelrecht durch diese vierzig Tage hindurchquälen - das kann es doch wohl nicht sein!

Für mich ist in den letzten Jahren ein anderer Gedanke wichtig geworden, mit dem ich erheblich mehr anfangen kann: Mein Leben läuft in gewissen Strukturen, in gewissen Ordnungen ab. Die sind oft sehr hilfreich und können mich dabei unterstützen, mein Leben zu leben.

Strukturen neigen aber dazu, sich zu verfestigen, und dann können Dinge, die einmal hilfreich und unterstützend waren, schnell zu "Gefängnissen" meines Lebens werden. Dann werden die Struktur und die Ordnung wichtiger als das, was ich eigentlich damit erreichen wollte. Dann sind sie plötzlich keine Hilfe mehr, sondern werden zur Fessel.

Und genau das ist für mich die Herausforderung, die Fastenzeit eigentlich meint: Etwas an meinen bestehenden Ordnungen ändern, damit Dinge neu in Bewegung und neu ins Fließen kommen können - und sich damit vielleicht auch neu ordnen können. Damit Strukturen Hilfen bleiben und nicht zu Zwängen werden... damit ich mich nicht mehr von dem gefangen nehmen lasse, was mir zur Gewohnheit worden ist. Damit ich das neu in mein Leben hereinholen kann, was dem Leben und der Lebendigkeit dient. Und damit ich mich von dem lösen kann, was mir den Zugang zu Gott versperrt...

Es geht in der Fastenzeit nicht um ein Verzichten um des Verzichtens willen, nicht um ein Leiden um des Leidens willen, sondern es geht eben darum, das neu einzuüben, was mir in meinem Alltag dabei hilft, lebendig zu sein und lebendiger zu werden.

Das kann für denjenigen, der viel arbeitet, ein halbstündiger Spaziergang sein, für den anderen eine Zeit von zehn Minuten, in der er sich mit einem Text auseinandersetzt oder ganz einfach still in einer Kirche sitzt. Für manchen mag es wirklich die Entscheidung sein, einmal in der Woche den Fernseher nicht einzuschalten, für den anderen endlich mal wieder das Lesen eines Buches.

Fastenzeit - das muss nichts Quälerisches oder Selbstkasteiendes an sich haben - man kann auch einfach mal probieren, für diese Zeit seine Träume und Sehnsüchte vom Leben ein ganz klein wenig probeweise in die Tat umzusetzen. Das Fest der Befreiung, das Fest des Lebens einfach schon mal einüben...

Damit wird diese Zeit zur Chance, etwas von dem wegzunehmen, was mich von Gott trennt. Es ist die Chance, etwas anders zu machen, damit etwas anders werden kann.

Und ganz ehrlich gesagt, ich befürchte fast, dass es da in meinem Leben ganz andere Dinge gibt, durch die ich mich der Lebendigkeit verweigert habe, mich von Gott entfernt habe, als gerade das Stück Schokolade...