Das heute hier am Rande des Kapellenlatzes stehende Barockkreuz war ursprünglich Teil des Pilgerweges, den die Jesuiten 1695 mit 7 doppelseitigen Bildstöcken und ab 1697 mit dem neu geschaffenen Kreuz von der Stadt ausgehend bis zum Annaberg angelegt hatten. Der Jesuitenorden war 1588 unter dem damaligen Fürstbischof Ernst von Bayern (1585-1612) in das Bistum Münster gekommen und neben Aufgaben im Schulwesen (Unterricht) auch mit seelsorgerischen Tätigkeiten beauftragt worden.
Von ihrer Niederlassung in Coesfeld ausgehend, übernahmen sie 1687 die Seelsorge auf dem Annaberg, wofür vom Halterner Pastor jährlich 125 Reichstaler zu zahlen waren. Die Verwaltung der Pilgerstätte verblieb aber zunächst noch bei der Halterner Pfarrei. 1689 erteilte Bischof Friedrich Christian von Plettenberg (1688-1706) den Jesuiten den Auftrag einen Pater (Missionar) zu stellen, der seine Wohnung in Haltern nahm.
Mit dem zweiten Pater, der 1702 nach Haltern kam (später kamen noch zwei weitere dazu), wurde auch die Verwaltung des Annabergs und die Betreuung der Pilger den Jesuiten übertragen und ging erst nach dem Tod des letzten Missionars 1788 wieder an die Kirchengemeinde St. Sixtus zurück.
Neuer Standort für das Kreuz
Das barocke Kreuz von 1697, das die Jesuiten gestiftet haben, stammt vermutlich aus der Werkstatt der berühmten Münsteraner Bildhauerfamilie Gröninger, die einen Bezug zum Jesuitenorden hatte, weil Johann Mauritz Gröninger (*1652 in Paderborn, † 1702 in Münster) das Jesuitengymnasium in Paderborn besuchte und dadurch eine geistige und kulturelle Verbindung bestand. 1674 wurde er unter Christoph Bernhard von Galen fürstbischöflicher Hofbildhauer. Der vom künstlerischen Stil seines Vaters geprägte Sohn Johannes Wilhelm Gröninger (*1676 in Münster, †1724 in Billerbeck) hatte die Werkstatt von seinem Vater übernommen.
Nachdem die Jesuiten Haltern verlassen hatten, ist das Kreuz an die höchste Stelle des heutigen Kreuzwegs versetzt worden. Wann und von wem das veranlasst wurde, ist nicht zu belegen. Das Kreuz hatte eine Höhe von ungefähr 5 Metern und stand auf einem Sandsteinsockel. Zwischen diesem und der gusseisernen Kniebank waren zwei beschriftete Bodenplatten in die mit "Picksteenkes" - sehr kleine, rundliche Pflastersteinchen aus den Borkenbergen - ausgelegte Fläche eingelassen. Sie sind auch heute noch vorhanden, jedoch die Inschriften kaum noch lesbar.
Von diesem Standort aus hatte man einen herrlichen Blick über die Lippe hinweg auf die Pfarrkirche Hl. Kreuz im heutigen Halterner Ortsteil Hamm-Bossendorf, der durch hochgewachsene Bäume inzwischen verstellt ist.
Kreuz wird Teil des Kreuzwegs
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte der Annaberg einiges an Attraktivität als Wallfahrtsstätte verloren. Die Verantwortlichen der Kirchengemeinde machten sich daher Gedanken, was zur Steigerung der Attraktivität getan werden könnte. Auf Anregung des damals an der Pfarrkirche St. Sixtus tätigen Vikars Wegener wurde unter seiner Leitung vom Kapellenplatz bis zur Kuppe des Berges ein Kreuzweg mit 11 Bildstöcken des Münsteraner Bildhauers Heinrich Fleige (1840-1890) angelegt, der mit dem Barockkreuz als 12. Station am 26. Juli 1875 eingeweiht wurde.
Da die Bildstöcke aus Baumberger Sandstein stark verwitterten, gab man Mitte der 1960er Jahre dem Bildhauer Josef Krautwald aus Rheine (1914-2003) den Auftrag für neue Stationen mit Reliefplatten, so dass der neue Kreuzweg am 9. September 1967 feierlich eingeweiht werden konnte. Erst zwei Jahre später wurde dann das alte Barockkreuz, die 12. Station, durch ein neues Kreuz des Bildhauers Krautwald ersetzt.
Das Kreuz wurde eingelagert, wiederentdeckt und restauriert
Das Kreuz wurde abgebaut, Kreuzbaum und Korpus in die Scheune neben der damaligen Gaststätte „Annaberger Hof“ – heute steht dort das Gebäude der Zentralrendantur – eingelagert. Der 1967 mit dem Abbau der Kreuzwegstationen beauftragte Bildhauer Schlüter aus Rinkerode hatte jedoch den künstlerischen Wert des Barockkreuzes erkannt und holte es 1981 aus Haltern in seine Werkstatt.
Dem seinerzeitigen Pastor von St. Sixtus, Bruno Pottebaum, der ein guter Bekannter des Rinkeroder Bildhauers war, fiel um das Jahr 2000 das Kreuz in dessen Werkstatt ins Auge. Im Gespräch darüber, erfuhr er, dass es vom Annaberg in Haltern stammte. Er setzte sich deshalb dafür ein, dass das Barockkreuz wieder dort aufgestellt werden sollte. Bildhauer Schlüter erklärte sich bereit, den wertvollen Besitz der Annaberggemeinde zurückzugeben. In der Werkstatt des Restaurators Hellbrügge in Ascheberg wurde der barocke Korpus aus Baumberger Sandstein von Verwitterungsspuren befreit und 2006 mit einem neuen Kreuzesbaum an der jetzigen Stelle hinter der Pilgerkirche wieder aufgestellt.
U. Backmann
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