»Denn ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben.« Jeremia 29,11

Die historische 7. Kreuzwegstation

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Die historische 7. Kreuzwegstation

Die 7. historische Kreuzwegstation

Das hier stehende Standbild war ursprünglich als 7. Station Teil des am St. Anna-Fest 1875 eingeweihten Kreuzwegs und gehörte zu den 12 von 14 Stationsbildern, die von dem Münsteraner Bildhauer Heinrich Fleige (1840-1890) gefertigt worden waren.

1967 sind die neuen, heutigen Stationsbilder des Bildhauers Josef Krautwald (1914-2003) aus Rheine aufgestellt worden. Neun erhaltene Reliefs der alten Kreuzwegstationen sind in den Gewölbekeller des Alten Rathauses in Haltern eingelagert worden und wurden 1996 von der Kirchengemeinde St. Sixtus als Eigentümerin, der Steinbildhauerei Wirtz mit der Auflage vermacht, diese nicht zu veräußern. Die Bildhauerei Wirtz erhielt die Kunstwerke wohl deshalb, weil wahrscheinlich der seinerzeitige Firmeninhaber Bernard Wirtz (1861-1914), in seiner Lehrzeit bei der Firma Fleige in Münster mitgewirkt hat.

Versteckte Kritik am Reichskanzler

Bildhauer Fleige hat im Relief der 7. Kreuzwegstation "Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz" versteckt Kritik an dem damaligen Reichskanzler Otto von Bismarck geübt, indem er den Staatsmann als einen der Schergen, die Jesus zur Kreuzigung treiben, verewigte. Bismarck hatte sich im sogenannten "Kulturkampf" (1871-78) mit der katholischen Kirche angelegt. Durch den wachsenden Einfluss der katholischen Zentrumspartei und das päpstliche Unfehlbarkeitsdogma (1870) sah er eine Gefahr für die Einheit des jungen Nationalstaats. Daher versuchte der Staat durch die repressiven Maigesetze (1873) die Kirche zu kontrollieren. - Durch eine solche Darstellung dokumentierte Fleige den Widerstandsgeist in der Kunst.

Ausstellung und Zufallsfund

2004 wurden in einer Ausstellung zum 350jährigen Jubiläum der Kapelle auf dem Annaberg die 9 erhalten gebliebenen Reliefs der Öffentlichkeit präsentiert. Zu gleicher Zeit wurde bei der Neugestaltung des Parkplatzes hinter der heutigen Zentralrendantur zufällig im Dickicht der Giebel einer der alten Kreuzwegstationen gefunden, den die Steinbildhauerei Wirtz erhielt. Dadurch wurde die Rekonstruktion eines alten Standbilds möglich, da neben alten Ansichtskarten auch noch auf Fotos vom Kreuzweg in der Pfarrkirche in Nottuln zurückgegriffen werden konnte, der mit denselben Reliefs von Bildhauer Fleige geschaffen worden ist.

Die für die Reproduktion der Kreuzwegstation erforderlichen, Bauteile, wurden in zeitaufwendigen Arbeiten, die sich über Monate hinzogen, in der Werkstatt von Wirtz gefertigt.

Für das Verbleien der einzelnen Werkstücke nach traditioneller Art, bekam die Steinbildhauerei im November 2004 tatkräftige Hilfe durch die Akademie des Handwerks auf Schloss Raesfeld. Auch die weiteren erforderlichen Arbeiten zogen sich noch hin.

Einweihung

Im April 2005 war die historische Kreuzwegstation fertiggestellt und wurde durch den damaligen Pfarrer von St. Sixtus, Bruno Pottebaum, am 15.04.2005 auf dem Firmengelände der Steinbildhauerei Wirtz feierlich eingeweiht. Am 25.10.2007 wurde sie an ihrem heutigen Standort aufgestellt.

U. Backmann

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