»Denn ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben.« Jeremia 29,11

Unser Präventionsteam

Unser Präventionsteam

Starkes Team für den Schutz der Jüngsten

Seit Anfang Januar 2023 sind Birgit Winkelkotte und Jessica Müller aus Haltern als Präventionsfachkräfte in der Pfarrei St. Sixtus tätig – und ergänzen damit das bestehende Team. „Unser Ziel ist, dieses wichtige Thema zu einem ständigen Arbeitsbereich zu machen“, erklären die zertifizierten Sexualpädagoginnen. Hierzu bieten sie Präventionsschulungen und Infoveranstaltungen an und stehen als fachkundige Ansprechpartnerinnen bereit.

(Ende 2025 verabschiedeten sich Ruth Gerdes und Mechthild Heimann in den Ruhestand - siehe unten.)

Die Prävention von Übergriffen und Gewalt jeglicher Art steht in der Pfarrei St. Sixtus seit langem ganz oben auf der Agenda. Wer mit Kindern und Jugendlichen arbeitet, wird im Vorfeld nicht nur auf seine Eignung hin geprüft, sondern auch gezielt geschult, um für mögliche Anzeichen bei den jungen Menschen sensibilisiert zu sein. 2019 brachte die Pfarrei die Broschüre „Voller Schutz voraus“ heraus, in welcher ihr institutionelles Schutzkonzept ausführlich nachzulesen ist – sie ist sowohl hier auf unserer Homepage als auch in gedruckter Form in den Kirchen und im Pfarrbüro zu finden. 

„Achtsamkeit und Sorgsamkeit“

Mit „Achtsamkeit und Sorgsamkeit“ um schreibt Ruth Gerdes die Zielsetzung dieser Maßnahmen. Gerdes ist Diplom-Sozialpädagogin und Mediatorin im Ruhestand, Pfarreiratsmitglied und seit elf Jahren ehrenamtlich als Präventionsfachkraft tätig – gemeinsam mit Mechthild Heimann, die seit 2009 Pastoralreferentin in St. Sixtus ist. „Wir freuen uns sehr, dass Birgit und Jessica sich mit uns diesem so wichtigen Aufgabenfeld widmen.“ Denn dieses sei viel zu bedeutsam, um nur punktuell behandelt zu werden – es müsse vielmehr durchgängig auf der Tagesordnung der Pfarreiarbeit stehen. Dies möchten die beiden Sexualpädagoginnen ab sofort gewährleisten.

Birgit Winkelkotte hat 17 Jahre als Erzieherin im Familienzentrum St. Laurentius und anschließend in den KiTas St. Sixtus und St. Antonius in Lavesum gearbeitet, ihre Kollegin Jessica Müller war in der Hullerner KiTa St. Andreas ebenfalls als Erzieherin tätig. „Das Interesse an diesem speziellen Thema kam bei uns während unserer eigenen Präventionsschulung auf“, so Birgit Winkelkotte. Gemeinsam ließen sich die beiden von der Gesellschaft für Sexualpädagogik (GSP) zertifizieren und gründeten anschließend eine GbR. Heute sind sie als Schulungsreferentinnen im Bistum Münster sowie für die Diakonie und die Caritas Münster tätig – und zusätzlich seit Januar in der Pfarrei St. Sixtus mit einem neunstündigen Wochenarbeitsumfang. „Unser Schwerpunkt liegt dabei unter anderem auf Präventionsschulungen von Haupt- und Ehrenamtlichen sowie Jugendlichen im kirchlichen Bereich. Unser Herzensthema ist die Arbeit mit den pädagogischen Fachkräften vor Ort. Auf sexualpädagogischer Ebene geht es uns darum, Tabus abzubauen, Dinge auszusprechen, zu sensibilisieren und bei alledem auch die Eltern mit ins Boot zu holen“, erklärt Jessica Müller. Bei alledem gelte es auch immer, das eigene Verhalten zu hinterfragen. „Menschen müssen wissen, wo Grenzverletzungen beginnen.“

„Eine Grundhaltung verankern“

Denn was für manchen Erwachsenen ein vermeintlich harmloser Handgriff sei, könne für ein Kind unangenehm oder belastend sein, bestätigt Mechthild Heimann. „Und auch bei verbalen Äußerungen können schnell Grenzen überschritten werden.“ Und um hier wiederum eine Vertrauensperson zu finden, die seine Nöte verstehe, brauche ein Kind in der Regel sieben Anläufe. „Unser gemeinsames Ziel ist, hier eine Grundhaltung zu verankern“, so die Pastoralreferentin. Und da sei man in dieser neuen Teamkonstellation, in der man sich ideal ergänze, auf einem sehr guten Weg. Während Birgit Winkelkotte und Jessica Müller sich den Schulungen widmen, sind Mechthild Heimann und Ruth Gerdes die Ansprechpartnerinnen bei konkreten Verdachtsfällen. „Unsere gemeinsame Schnittmenge besteht unter anderem in Gesprächsangeboten und darin, das Thema Prävention stets wachzuhalten. Dies liegt der Pfarrei am Herzen, und dafür hat sie die zusätzlichen Stellen geschaffen“, erklärt Ruth Gerdes.

Interessierte Gruppen und Einzelpersonen können sich gerne bei Birgit Winkelkotte und Jessica Müller melden, idealerweise per E-Mail: birgit.winkelkotte@st-sixtus.de, jessica.mueller@st-sixtus.de.

>> "Voller Schutz voraus": Unser institutionelles Schutzkonzept

Ruth Gerdes und Mechthild Heimann verabschieden sich in den Ruhestand

Ja, wir dürfen die beiden wohl mit Fug und Recht so bezeichnen - als "Urgesteine" eines immens wichtigen Bereiches unserer Pfarrei: Mechthild Heimann und Ruth Gerdes waren die Präventionsfachkräfte der ersten Stunde in St. Sixtus und haben in den elf Jahren ihres Wirkens ein Schutzkonzept zur Vermeidung von Gewalt in jeglicher Form etabliert - sowie hundertfach vermittelt. Ende 2025 beendeten die zwei Fachfrauen ihre Tätigkeit.

Es sei seinerzeit definitiv keine Situation gewesen, in der man sofort "Hier!" gerufen habe. "Aber es war uns ein großes Anliegen, das Thema in die Pfarrei zu bringen", blickt Ruth Gerdes auf die Anfänge zurück. Nachdem 2010 die Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche herausgekommen war, fand eine Bischofskonferenz statt, die 2014 in einen offiziellen Auftrag mündete: Alle Pfarreien und Institutionen der Kirche mussten Präventionsfachkräfte benennen.

"Ich wurde im Dienstgespräch - damals noch bei Pfarrer Ahls - gefragt, ob ich als Pastoralreferentin diese Aufgabe hauptamtlich übernehmen würde", erzählt Mechthild Heimann. "Dazu sollte dann noch eine ehrenamtliche Person benannt werden - und das war Ruth. Ich war froh, sie mit ihrer langjährigen Erfahrung beim Caritasverband Gelsenkirchen an meiner Seite zu haben. Man muss sich in diese Materie wirklich erst einarbeiten!"

"Am Anfang hörten wir oft: Das brauchen wir in Haltern nicht!"

Fortan war es Aufgabe der beiden, unter anderem Kita-Personal, Katecheten, Firmkatecheten und Begleiter von Ferienfreizeiten in der Missbrauchsprävention zu schulen, sie auch für subtile Anzeichen zu sensibilisieren und zu "erkennbaren" Ansprechpartnern zu machen."Am Anfang sind wir durchaus auch auf Widerstand gestoßen, nach dem Motto: 'Das brauchen wir nicht, das gibt's bei uns in Haltern nicht!'. Vor allem Ehrenamtliche haben oft nicht eingesehen, warum sie eine solche Schulung machen sollten", so Ruth Gerdes. Inzwischen sei das zum Glück kein Problem mehr. "Die Bereitschaft, sich schulen zu lassen, ist viel größer geworden, und die Grundhaltung bezüglich Achtsamkeit und Sorgsamkeit hat sich verändert. Die Menschen, auf die wir zugehen, haben begriffen, dass das Ganze kein Angriff ist, dass es nicht um Misstrauen geht. Im Gegenteil."Natürlich seien sie aber auch immer wieder mal "ein bisschen unbequem" geworden und hätten beharrlich nachgefragt: Hast du die Schulung gemacht? Hast du dich mit dem Schutzkonzept beschäftigt? "Aber es ist eben auch einfach so wichtig!"

2019 brachten die beiden das Internationale Schutzkonzept (ISK) als Broschüre für die Pfarrei heraus, mit dem sie dann "richtig auf Tournee" gingen. Dieser wichtige Leitfaden ist in gedruckter Form im Pastoralbüro erhältlich und auch auf der Homepage von St. Sixtus zu finden. Das Schutzkonzept umfasse heute alle Formen der Gewalt, nicht nur solche sexueller Natur. Und: "Inzwischen geht es nicht mehr nur um den Schutz von Kindern, sondern um Schutzbedürftige allgemein, also auch Erwachsene", erklärt Mechthild Heimann. "Hier ist das Thema Machtmissbrauch an der Tagesordnung." Bei alledem sei das Thema nicht auf den offen kriminellen Bereich beschränkt. Vielmehr gehe es darum, persönliche Grenzen zu setzen bei Dingen, die für einen selbst nicht in Ordnung sind. "Das kann - ich sage es jetzt mal so offen - schon bei 'Omas Kussattacken' der Fall sein."

"Es gibt eine gute Entwicklung beim Thema Prävention"

Seit 2022 würden Präventionsfachkräfte nur noch alle fünf Jahre eingestellt - damit neuer Input komme, aber natürlich auch, weil das Thema sehr belastend sei, so Ruth Gerdes. "Der- oder diejenige kann dann entscheiden: Mache ich weiter, oder ist jetzt erstmal gut?" In der Pfarrei sind die Sexualpädagoginnen Birgit Winkelkotte und Jessica Müller seit drei Jahren hauptamtlich mit dem Thema befasst. Mechthild Heimann unterstützt das Duo weiterhin bei den Schulungen unterstützen, Ruth Gerdes hingegen hat sich ganz zurückgezogen.

Rückblickend sind sich Heimann und Gerdes einig: "Es gab und gibt eine gute Entwicklung beim Thema Prävention, die Widerstände sind weniger, das Thema populärer geworden. Aber man muss dran bleiben. Es ist eine dauerhafte Aufgabe, das geht nicht einfach alles weg!" Und darauf lasse sich auch das Pfarrbriefmotto gut anwenden: "Wenn jeder Mensch Respekt vor dem anderen hätte, gäbe es dieses Thema nicht. Es geht um Achtsamkeit: Welche Signale sendet mir der andere? Als 'Wir' kann man an den Problemen arbeiten!" Ein schönes Beispiel sei die Ausstellung "SHAME": "Hier haben Pfarrei und Stadt sichtbar als 'Wir' zusammengearbeitet!"