»Denn ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben.« Jeremia 29,11

Das war der CSD 2026

/fileadmin/_processed_/9/c/csm_md_20150329_150324_0026_0cee8caf69.jpg

Das war der CSD 2026

"Lasst uns sichtbar und laut bleiben!"

Was für ein Fest!
Der vierte CSD in Haltern am See machte unser Städtchen einmal mehr zum Schauplatz für ein buntes, fröhliches und friedliches Spektakel auf dem Marktplatz - und diesmal auch in den Seitenstraßen, denn zum ersten Mal ging's gemeinsam auf einen Demozug. Großartige Live-Musik, spritzige Drag-Shows, Spoken Word, Bühnen-Statements, eine Brautkleid-Versteigerung, jede Menge Info und Gemeinschaft auf dem Platz sowie als Höhepunkt die Segnung zweier Frischvermählter machten das Event, das so gut besucht war wie nie zuvor, zu einer absolut runden Sache mit der klaren Botschaft: "Lasst uns sichtbar und laut bleiben!"

Da war unser ökumenischer Auftaktgottesdienst, zelebriert von Ann-Kristin Mettenmeyer (Neuapostolische Kirche), Janine ta Van Wolf (evangelische Gemeinde) und unserem Pastoralreferenten Georg Kleemann, die mit der Geschichte von Rut, Noomi und Boas in Bethlehem Themen wie Vorurteile und Mitmenschlichkeit aufgriffen - sowie die Tatsache, dass es ohne diese "irgendwie queere Frauensolidarität und Offenheit" den "Superhelden" David gar nicht gegeben hätte. Musikalisch wurde der Gottesdienst wie immer wunderbar von der Regenbogenband begleitet.
Als Höhepunkt folgte die Segnung des frischvermählten Paares Marcel und Michael durch Georg Kleemann auf der Bühne (lesen Sie hier den Bericht der Halterner Zeitung vom 7. Juli 2026), bevor jeder Anwesende sich seinen Segen bei den drei Zelebranten abholen konnte.

Viele Akteure und Unterstützung durch die Gastronomie

Da waren die vielen Gruppen, Verbände und weitere Akteure, die sich mit Info und Angeboten am CSD beteiligt haben: Amnesty International Haltern, der Asylkreis, VITUS e.V., die Beratungsstelle für sexuelle Gesundheit Kreis Recklinghausen, Bündnis 90/Die Grünen Haltern, Caritas Ostvest e.V., der Katzengnadenhof und die Aktive Tierhilfe Marl/Haltern, Lebedo Dortmund, Omas gegen Rechts Haltern, Queer von hier, SCHLAU Gladbeck, SPD Haltern und Jusos Recklinghausen, der VCSD Recklinghausen e.V. - und nicht zuletzt unser Chadi, der mit seiner Familie im Kirchenasyl in St. Sixtus gelebt hat und die besten Falafel der Welt macht. Schön war auch, dass die umliegende Gastronomie in diesem Jahr Getränke to go anbot, was gerne angenommen wurde. Und auch, dass die Besucher des 2026er CSD erstmalig auf Bänken und an Tischen auf dem Marktplatz verweilen konnten, kam gut an.  

Da war - als Premiere auf dem Halterner CSD - der Demozug, an dem sich Hunderte Menschen beteiligten und ein friedliches Zeichen für Toleranz und Offenheit in den umliegenden Straßen setzte.

Da waren die vielen bewegenden Reden und Statements auf der Bühne - etwa durch den stellvertretenden Bürgermeister Prof. Dr. Holger Pooten, durch Daniel Petzold, dem Vorsitzenden des VCSD Recklinghausen e.V., Finn Lehmann, Landtagskandidat der SPD für Haltern, Dorsten und einem Teil von Marl - und durch Jacky aus dem Orgateam des CSD Haltern, die sich noch gut an ihr eigenes, alles andere als einfaches Outing in einem kleinen Dorf erinnert. "Als junge queere Person, die gerade ihre eigene Queerness entdeckte, haben mich damals Menschen wie Olivia Jones, Guido Westerwelle, Klaus Wowereit oder die Band t.a.T.u. sehr beeindruckt und mir gezeigt, dass ich zu mir stehen darf", so Jacky. Es mache sie traurig, dass sich Teile der Community heute voneinander entfernten, nach dem Motto: "Wir haben doch genug erreicht." Doch das stimme nicht. Die Zahl der Straftaten im Bereich "sexuelle Orientierung" und "geschlechtsbezogene Diversität" hätten sich seit 2010 nahezu verzehnfacht. Deshalb sei es wichtiger denn je, zusammenzuhalten, füreinander einzustehen, sichtbar zu bleiben. "Vier Jahre CSD in Haltern am See - und wir sind noch lange nicht leise!" 

Spoken Word, Drag & Brautkleider

Leisere, aber nicht minder nachdrückliche Töne schlugen Luise Wolff und Ronja Jelena Filiz auf der Bühne an. Luise, NRW-Meisterin im Poetry Slam und Spoken Word, erzählte in Versform von ihren Erfahrungen und Emotionen, während Ronja Jelena - Lehrerin, Speakerin und Content Creatorin - die direkte Ansprache an ihr Publikum wählte und den jungen Menschen riet, sich gerade in einer Kleinstadt wie Haltern gut zu vernetzen. 
Apropos Spoken Word: Im Vorfeld des CSD war Orga-Team-Mitglied Helena Salewski bei WDR-Sender 1Live zum Interview geladen, in dessen Rahmen die junge Frau von den Anfängen des CSD, dem Engagement der Kirche und dem Statement, das sie und ihre Freundinnen als Firmlinge verfasst hatten, berichtete. Moderator Lennart Beissner zeigte sich sehr beeindruckt.  

Da waren unsere Dragqueens Missass Nostalgia, Mizery van Hauntington und Peri Odd, die mit sexy & crazy Performances die Bühne unter Feuer setzten - mal witzig-rebellisch, mal verführerisch, mal düster und rockig, immer aber großartig unterhaltsam. 
Ein Höhepunkt war die Versteigerung von sieben Brautkleidern, die das Hochzeitshaus Haltern zur Verfügung gestellt hatte (dafür noch einmal ein riesengroßes DANKESCHÖN!) und die von den Queens & Friends perfekt in Szene gesetzt wurden - sogar Moderator Sven Hensel schmiss sich in die weiße Schale und moderierte die Auktion auf gewohnt schmissige Art. Am Ende gingen natürlich alle Kleider weg - nicht für astronomische Summen, aber zur riesengroßen Freunde der erfolgreichen Bieter*innen und am Ende zugunsten der Arbeit des Halterner CSD-Orgateams. 

Ja, apropos Sven Hensel - der bewährte Moderator war wieder einmal in Topform und riss alle Anwesenden vom ersten Satz an mit. Selbstverständlich wurde wieder der "CSD-Gruß" geübt und ausgiebig praktiziert, wurden gemeinsam Slogans skandiert, und Sven wusste wie immer jeden einzelnen Programmpunkt treffend zu kommentieren und zu begleiten. Im perfekten Outfit, versteht sich.

Queen Mahoro & Zeitflug - grandiose musikalische Mischung 

Zu jenen Programmpunkten gehörte auch in diesem Jahr wieder Live-Musik - diesmal in einem besonders schönen Kontrast. Den Anfang machte Queen Mahoro mit ihren mal souligen, mal rock-bluesigen, immer eingängigen musikalischen Botschaften, die ihr Publikum von der ersten Minute an voll mitnahm. Auch ihr Cover von Tracy Chapmans "Fast Car", eigenhändig mit Akustikgitarre begleitet, sorgte für Begeisterung. 
Und als furioser Final-Act enterten Deniz und Martin von "Zeitflug" die Bühne und luden die CSD-Gemeinde zu einer mitreißenden Zeitreise durch die Pop- und Schlagergeschichte ein. Auch das Duo kam um eine ordentliche Zugabe nicht herum.  

Da waren schließlich noch so viele besondere Momente auf unserem CSD, die bei uns - und hoffentlich nicht nur bei uns! - noch lange positiv nachhallen werden. Allen, die da waren, möchten wir sagen: Bleibt offen, bleibt bunt, bleibt, wie ihr seid! Wir freuen uns aufs nächste Jahr - und auf Euch!