Die Flaesheimer Stiftskirche St. Maria Magdalena füllte sich am Sonntag (11. Oktober) mit nachdenklichen Worten, berührenden Geschichten und hoffnungsvoller Musik. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Wort und Klang" sprach die Hebamme Manuela Grafe eindrucksvoll über ihren Berufsalltag und die tiefen Erfahrungen, die sie in ihrer langjährigen Tätigkeit begleitet haben.
Schon nach wenigen Minuten wurde deutlich, dass die Arbeit als Hebamme für Manuela Grafe weit mehr als ein Beruf ist. Mit großer Aufrichtigkeit und spürbarer Leidenschaft berichtete sie von den vielen Begegnungen mit Familien, die sie auf ihrem Weg begleiten durfte. Dabei spannte sie den Bogen von glücklichen Momenten bei der Geburt eines Kindes bis hin zu schweren Schicksalsschlägen und Abschieden.
Anhand persönlicher Fallbeispiele gewährte sie den Zuhörerinnen und Zuhörern einen prägenden Einblick in die Vielfalt ihrer täglichen Arbeit. Besonders eindrucksvoll waren die Schilderungen von Situationen, in denen nicht jeder Schwangerschaft mit einem neuen Leben endet. Dabei sprach Manuela Grafe auch offen über die Bedeutung ihres Glaubens. Dieser gebe ihr Trost und Halt in den schwierigen Momenten. Die Überzeugung, dass Leben und Tod nicht allein in menschlicher Hand lägen und jedes Lebensbuch bereits geschrieben sei, helfe ihr, auch belastende Erfahrungen zu tragen und den Eltern Trost zu spenden.
Besondere Aktion für "Sternenkinder"
Ein weiterer Schwerpunkt ihres Vortrags war der sogenannte Sternenkinder-Gottesdienst. Manuela Grafe berichtete von der weltweiten Aktion, die jedes Jahr am zweiten Sonntag im Dezember um 19 Uhr stattfindet. Menschen stellen dabei eine Kerze in ihre Fenster, um an die Kinder zu erinnern, die das Licht der Welt nie erblickt, oder viel zu früh verstorben sind. Durch die unterschiedlichen Zeitzonen entsteht rund um die Welt eine fortlaufende Lichterwelle. In einem berührenden Bild beschrieb Manuela Grafe die Vorstellung, dass die Sternenkinder im Himmel diese vielen Lichter sehen könnten. Das gemeinsame Erinnern und Gedenken schenke betroffenen Familien Trost, Halt und Zuversicht - oft noch viele Jahre nach ihrem Verlust.
Musikalisch begleitet wurde der Abend vom Gospelchor Nameless Joy, der unter der bewährten Leitung von Andrea Kittel, einige Lieder aus dem Repertoire des Sternenkinder-Gottesdienstes präsentierte. Die ausgewählten Stücke griffen die Themen des Vortrags auf. Mit ihren kraftvollen Stimmen sangen die Chormitglieder von Urvertrauen, davon, dass Menschen nicht alles selbst tragen und verantworten müssen, sowie von Hoffnung auf Geborgenheit, und dem natürlichen Kreislauf des Lebens.
Manuela Grafe und Andrea Kittel ist es gelungen, auf eindrucksvolle Weise persönliche Lebensgeschichten, spirituelle Impulse und musikalische Ausdruckskraft zu verbinden.